Schön oder nicht schön - ist das wirklich die Frage?

 She takes my peach in one hand and her sorry one in the other.
"Which one would you pick?"
"Well, that's easy," I say. It's not even a choice. "The good one, of course." [...]
"Right. The good one. It looks better than it did before! It's gone from ordinary to good in a flash. Nothing changed in its appearance - just the company it was keeping."

*Ich denke, bei der Aufmachung: auf jeden Fall^^
1888, inmitten der "Belle Époque", lässt Elizabeth Ross ihre Heldin Maude Pichon von Brittany nach Paris fliehen, um einer unliebsamen Ehe mit dem Dorfmetzger zu entgehen. Um sich dort über Wasser zu halten, ist sie auf Jobsuche, wobei sie schon bald eine Stelle findet. Nämlich als eine der "Repoussoirs" in Durandeaus Firma. Eine "Repoussoir" soll als Begleiterin der Damen mit hohem gesellschaftlichen Status dienen, um diese mit ihrer "Hässlichkeit" zur "Schönheit" der Klienten im Kontrast zu stehen und diese attraktiver zu machen.
Als Inspiration für ihr Buch diente Ross "Les Repoussoirs". In dieser Kurzgeschichte schrieb schon Zola 1866, dass sich in Paris alles verkauft, vor allem Schönes.
Doch was ist "schön" und was "hässlich"? Kann man die beiden Adjektive überhaupt gerecht verwenden?*

Mit Sicherheit ist es nicht nett, als "hässlich", oder in Maudes Fall als "plain" bezeichnet zu werden. Verständlich also, dass sich die Protagonistin dieser Erniedrigung zuerst nicht hingeben will. Wer möchte das denn schon? Um nicht zu verhungern, bleibt ihr jedoch keine allzu große Wahl. Augen zu und durch.
Problematisch wird das Ganze nur durch Maudes Aufgabe. Von der Gräfin Dubern angeheuert, soll sie sich inkognito mit deren Tochter Isabelle anfreunden und in ihrem gesellschaftlichen Debüt als "Repoussoir" zur Seite stehen. Eine echte freundschaftliche Bindung zu Isabelle ist allerdings nicht erwünscht.


"Belle Epoque" ist grundsätzlich gesagt ein toller Roman.
Mein einziger Kritikpunkt liegt in dein eingestreuten französischen Floskeln. Gerne kann in jedem Roman dieser Welt ein, zwei, drei, egal wie viele französische Sätze stehen. Nur eben bitte nicht in einem Buch, dessen Charaktere sich logischerweise sowieso die ganze Zeit auf "Französisch" unterhalten. Im Privaten benutze ich ja auch das ein oder andere französische Wort, Frankophilie und so. Aber ich weiß, dass wir uns in Paris befinden, die Leute dort Französisch sprechen und nicht Englisch. Jedes Kapitel dann mal ma pauvre, cherie, oder bonjour einzubauen bringt es schlicht und ergreifend nicht. Naja, das Ende war vielleicht auch ein bisschen zu viel, aber schwer fällt das dazu nicht ins Gewicht.

An die Thematik Schönheit hat sich Ross mit viel Vernunft genähert. Dieser kleine Schönheitsfehler unserer Gesellschaft existierte immerhin nicht nur damals, sondern ist auch noch heute. Sei es nun eine Rasierschaumwerbung,  oder Hollywoodproduktion steht Frau/Mann meist wohlgeformt und topgeschminkt vor der Kamera. Natürlich ist es nicht alles schön zu sein, ein Satz aus Jennifer Browns "Hate List" blieb mir aber in Erinnerung: “Being pretty isn't everything but sometimes being ugly is.” .
 Durch Maude, wird man gezwungen sich darüber nähere Gedanken zu machen. Was ist Schönheit eigentlich wert? Nach wie vor gilt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

I'm not ready to be one of life's castoffs, some rich girl's social advantage. I'm worth more than that, surely. 

Es ist dabei interessant zu sehen, wie Maude mit diesem Thema umgeht, wie verschämt sie einerseits davon ist, wie tapfer sie sich ihrer Aufgabe andererseits dennoch stellt. Gerne verfolgt man die Entfaltung ihres starken Charakters, die Entwicklung ihrer Träume und Hoffnungen. Sie ist nicht perfekt, von ihrem "Aussehen" mal abgesehen. Aber wer ist das schon? Ihre Fehlerchen machen sie nur noch sympathischer, weil realistischer. Isabelle zeichnet sich ebenfalls durch Charakterstärke aus. Zwar teilweise etwas stur, weist sie eine wunderbare Zielstrebigkeit auf. Isabelle muss mit anderen Dingen kämpfen als Maude, doch nicht weniger groß sind die Schwierigkeiten.



Hoffentlich schreibt die Autorin noch mehr. "Belle Epoque" liest sich leicht, flüssig und fesselnd. Eine angenehme Überraschung!



Kommentare:

  1. Ich hatte "Belle Epoque" auch einmal im Auge, vor allem die Aufmachung ist mir direkt aufgefallen! Dann hab ichs aber irgendwie aus den Augen verloren und auch die durchschnittliche Goodreadswertung im Moment sieht nicht mehr so hoffnungsvoll aus. Aber freut mich, dass es dir so gut gefallen hat und du deine Freude mit dem Buch hattest!

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Die Bewertungen kann ich aber verstehen. Ich kann mir vorstellen, dass einige mit Maude ihre Probleme hatten, sie ist nicht unbedingt eine absolut sympathische Protagonistin xD Allerdings sört mich sowas eher nicht.

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  2. Oh oh - eine meiner kleinen Schwächen. Historisch angelegte Bücher! (Ich lese viele Histos, rezensiere sie aber nicht - guilty pleasure und so, haha). Aber es gibt ja auch so wunderbare Bücher in dem Genre. Von dem oberen hörte ich bisher noch nichts, du hast mich jetzt aber neugierig gemacht :)

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    1. Au ja, ich auch! Ich schreibe auch immer weniger Rezensionen, als ich mir vornehme, oder will. Da bin ich ziemlich faul xDD Als nächstes muss ich mir meine Sepetys Bücher vornehmen, was historisch angehaucht betrifft.

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    2. Rezensiere meine Histos nicht, da ich oft so trashige Sachen wie Iny Lorentz lese xD haha. Bücher über die ich mich gerne ein wenig amüsieren kann. Freue mich aber immer wenn ein wirklich guter Histo um die Ecke kommt, der wäre dann auch einer Rezi würdig. Hab nur lange keinen mehr gefunden *lach* Wobei ich ein paar habe, an die ich große Erwartungen habe.

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    3. Haha, ich hab vor kurzem mal "Charm School" gelesen, das war auch ziemlich trashig xD Dafür jedoch äußerst unterhaltsam.

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  3. Eine tolle Rezension, zu einem Buch, mit dem ich schon seit einer Weile liebäugele :)
    Dass die Autorin gerne ins Französische verfällt, habe ich schon einige Male in Rezensionen gelesen. Grundsätzlich ist das auch okay, nur sollte es eben nicht ins Gewicht fallen, da hast du recht :)

    Liebe Grüße

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    1. In diesem Fall passts halt irgendwie nicht, aber das Buch ist auf jeden Fall einen Blick wert :)

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